Sammeln und Zerstreuen, Künstlerische Recherche von Herbordt/Mohren und Michael Turinsky, 10.10.2026, 15-17 Uhr
Was hat sozial-ökologische Transformation mit der Beharrlichkeit einer Sammlung zu tun? Wie können künstlerische Strategien die Aufmerksamkeitsökonomien der Social Media Plattformen unterbrechen? Wie können Archivalien auf den Bühnen dieser Plattformen einem neuen Informationskreislauf zugeführt werden?
Im Magazin des Schaudepots sind neben Performances auch Aufzeichnungen zahlreicher vergangener Recherchen gesammelt. Gemeinsam mit Michael Turinsky suchen Herbordt/Mohren nach Strategien, wie diese Sammlungsinhalte des Schaudepots - wie z. B. auch philosophische Salons von und mit Michael Turinsky - wirksam und zugänglich bleiben können. Und als nachhaltiges künstlerisches Verfahren dabei auch Ressourcen von Kürzungen betroffener kultureller Infrastrukturen entlasten. Dafür experimentieren Michael Turinsky und Herbordt/Mohren erstmals mit künstlerischen Interventionen in den sozialen Medien.
Das Ergebnis der gemeinsamen Recherche wird im Rahmen der Veranstaltung vor- und zur Diskussion gestellt.
Im anschließenden Gespräch treffen der Philosoph und Choreograph Michael Turinsky, die Projektinitiatorin Melanie Mohren und der Projektinitiator Bernhard Herbordt auf die Psychologin und Aktivistin Anke Hofmann, die Social Media-Expertin Emma Sulz und den Digital-Kurator Victor Fancelli Capdevila (Atelier für Digitale Souveränität / Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe).
Video: Hagen Betzwieser
Anmeldung unter: info@die-institution.org
Eine Veranstaltung im Rahmen von Das Schaudepot Spezial XVIII
Sammeln und Zerstreuen ist eine Produktion von Herbordt/Mohren (Die Institution), gefördert durch das Zentrum für kulturelle Teilhabe Baden-Württemberg und die Landeshauptstadt Stuttgart.
Informationen zu den Gäst*innen:
Víctor Fancelli Capdevila arbeitet als Digitalkurator im Projekt Atelier Digitale Souveränität an der Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Davor war er Digital Archivist am Open Resource Center an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe im ZKM | Zentrum für Kunst und Medien und im Archiv vom KIT. Zusammen mit Lisa Deml und Nathalia Lavigne arbeitet er in dem Projekt After Memory; er ist Mitorganisator von Kongressen zu technologischer Souveränität in Barcelona; er kümmert sich um KeepKarlsruheboring.org und hat die Kampagne #PublicActivityActivityPub initiiert.
Anke Almut Hofmann ist Germanistin M.A., Dipl.-Psychologin, Psychotherapeutin & Supervisorin, im Kinder- und Jugendschutz tätig und seit Jugendzeiten politisch aktiv mit Schwerpunkt Natur- und Klimaschutz und (soziale) Gerechtigkeit. Und auf der Suche nach dem „Zauberwort“ aus einem ihrer Lieblingsgedichte „Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort, und die Welt hebt an zu singen, triffst du nur das Zauberwort.“ (Joseph von Eichendorff)
Emma Sulz (sie, ihr) arbeitet an unterschiedlichen Projekten in der Freien Szene. Ihre Arbeit ist interdiszplinär, und reicht von Öffentlichkeitsarbeit über (soziokulturelle) Projektplanung, Awarenessarbeit bis hin zu konzeptueller Arbeit mit Text, Performance oder Musik. Sie studierte nach einem FSJ Kultur im Bereich Produktion und Öffentlichkeitsarbeit am Theater Rampe in Stuttgart Kommunikationswissenschaft und Soziologie in Jena. Aktuell arbeitet sie unter anderem bei backsteinhaus produktion, aber auch mit einzelnen Akteur*innen der freien Szene zusammen, zum Beispiel Laura Oppenhäuser oder Herbordt/Mohren.
Informationen zu den Gastgeber*innen:
Michael Turinsky ist ein in Wien ansässiger, körperlich behinderter Künstler und Theoretiker, der an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz und Performance, Behinderung sowie politischer und ästhetischer Theorie arbeitet. Akademisch ausgebildet als Philosoph an der Universität Wien, begann Michael 2006 in die Welt des inklusiven Tanzes einzutauchen. Später hinterfragte er den Begriff der Inklusion und prägte seinen eigenen Begriff ‚Crip Choreography‘, um seine einzigartige künstlerische Praxis zu bezeichnen, die sich mit der spezifischen, widerständigen Materialität des Körpers in Prozessen der Subversion, De-Organisation und Re-Organisation dominanter Bewegungsformen und -qualitäten befasst. Seine Arbeiten touren international und sind bekannt für ihre einzigartige Ästhetik, ihre lustvoll-ironischen Anspielungen auf die Popkultur, ihre Musikalität sowie ihre intellektuelle Strenge.
Melanie Mohren und Bernhard Herbordt entwickeln seit über 20 Jahren gemeinsam interdisziplinäre Arbeiten im Grenzbereich der Darstellenden Künste, kuratieren Festivals und sind Mentorin und Mentor für Regie an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. 2021 gründeten sie in Stuttgart als Kunstprojekt und Modellinstitution das mit dem Deutschen Theaterpreis »Der Faust« ausgezeichnete erste Schaudepot für die Darstellende Künste.