Warten auf den Zug. Dietrich Heissenbüttel über das Theaterstück ,Ohne Bahnhof’ am Schaudepot für die Darstellenden Künste. KONTEXT: Wochenzeitung 26.11.2025
Das erste Theaterstück eines türkischen Autors auf einer deutschen Bühne war 1967 im Stuttgarter Theater der Altstadt zu sehen: der Einakter "Ohne Bahnhof" von Yüksel Pazarkaya, der beinahe in Vergessenheit geraten wäre. Nun folgt nach fast 60 Jahren eine zweite Aufführung.
In der Brennerstraße im Bohnenviertel, einem der beiden Quartiere der Stuttgarter Altstadt, folgt auf die Hausnummer 15 die 21. Dazwischen, in der Brennerstraße 17, befand sich in den 1960er-Jahren das Theater der Altstadt, das heute zwar immer noch so heißt, sich inzwischen aber am Feuersee im Stuttgarter Westen befindet. Sein erstes Domizil, eine hölzerne Baracke, ist 1969 abgebrannt.
Die fehlende Hausnummer wirkt wie ein Sinnbild für eine Lücke in der Theatergeschichte. Denn genau hier fand 1967 die Premiere des ersten Theaterstücks eines türkischen Autors in Deutschland statt. Es war nur einmal zu sehen, von der Uraufführung haben sich nur wenige Spuren erhalten: "Ohne Bahnhof" von Yüksel Pazarkaya. Außer dem Text existieren noch zwei Zeitungsartikel und zwei Schwarzweißfotos. Und einer der Darsteller: Andreas Nikakis.
Nach der einmaligen Aufführung 1967 geriet das Stück in Vergessenheit. Im Schaudepot im Stuttgarter Süden folgt nun am Samstag, 58 Jahre danach, die zweite Inszenierung. Die Räume sind allerdings ziemlich klein, nur 52 Quadratmeter. Es gibt keine Schauspieler, nur Publikum. Und die Welt hat sich seit 1967 stark verändert. Daher haben Melanie Mohren und Bernhard Herbordt – die Initiator:innen des Schaudepots – Gäste eingeladen, das Stück aus heutiger Sicht neu zu befragen.
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